Das sogenannte Restaurantsterben ist auch 2026 ein wichtiges Thema für die deutsche Gastronomie. Steigende Personal-, Lebensmittel- und Energiekosten, eine zurückhaltende Konsumstimmung sowie hohe laufende Betriebskosten setzen viele Restaurants, Cafés, Bars und andere gastronomische Betriebe unter Druck.
Die Insolvenzstatistik zeigt dabei eine auffällige Entwicklung: Das Gastgewerbe gehört weiterhin zu den Wirtschaftsbereichen mit einer besonders hohen Insolvenzhäufigkeit. Gleichzeitig muss zwischen einer Insolvenz und einer normalen Betriebsschließung unterschieden werden. Nicht jedes Restaurant, das schließt, ist insolvent.
Gastro-Insolvenzen 2026: Die wichtigsten Zahlen
Nach den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland im 1. Quartal 2026 insgesamt 6.275 Unternehmensinsolvenzen registriert. Gegenüber dem Vorjahresquartal entsprach dies einem Anstieg von 6,5 Prozent.
Besonders auffällig ist die Insolvenzhäufigkeit im Gastgewerbe. Im ersten Quartal 2026 kamen dort auf 10.000 Unternehmen 30,3 Unternehmensinsolvenzen. Damit lag das Gastgewerbe auf Platz zwei hinter dem Bereich Verkehr und Lagerei mit 32,1 Fällen.
Zum Vergleich: Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg wurden im ersten Quartal 2026 lediglich 17,7 Unternehmensinsolvenzen je 10.000 Unternehmen registriert.
Statistisches Bundesamt: Unternehmensinsolvenzen im 1. Quartal 2026
Insolvenzhäufigkeit im 1. Quartal 2026
| Wirtschaftsbereich | Insolvenzen je 10.000 Unternehmen |
|---|---|
| Verkehr und Lagerei | 32,1 |
| Gastgewerbe | 30,3 |
| Baugewerbe | 26,7 |
| Gesamtwirtschaft | 17,7 |
Damit war das Gastgewerbe Anfang 2026 deutlich stärker von Unternehmensinsolvenzen betroffen als die Gesamtwirtschaft.
Entwicklung 2025: Gastgewerbe bereits besonders gefährdet
Der hohe Wert für 2026 kommt nicht überraschend. Bereits 2025 gehörte das Gastgewerbe zu den Branchen mit der höchsten Insolvenzhäufigkeit.
Im gesamten Jahr 2025 registrierten die deutschen Amtsgerichte 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 10,3 Prozent mehr als 2024.
Das Gastgewerbe kam 2025 auf 108 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Damit lag die Branche hinter Verkehr und Lagerei, aber noch vor dem Baugewerbe.
Zum Vergleich: Über alle Branchen hinweg wurden 2025 durchschnittlich 69 Unternehmensinsolvenzen je 10.000 Unternehmen registriert.
Destatis: Unternehmensinsolvenzen 2025
Gastro-Insolvenzen Anfang 2026 steigen deutlich
Der DEHOGA-Zahlenspiegel I/2026 verdeutlicht die Entwicklung noch einmal. Für Januar und Februar 2026 wurden 466 beantragte Insolvenzverfahren im Gastgewerbe ausgewiesen.
Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht dies einem Anstieg von 17,0 Prozent.
Damit entwickelte sich das Gastgewerbe bei den Insolvenzen deutlich schlechter als die Gesamtwirtschaft. Dort betrug der Anstieg im gleichen Zeitraum lediglich 1,9 Prozent.
Im Februar 2026 erreichte das Gastgewerbe außerdem eine Insolvenzhäufigkeit von 9,7 Fällen je 10.000 Unternehmen. Damit belegte die Branche den zweiten Platz unter den Wirtschaftsbereichen.
Restaurantsterben ist nicht gleich Insolvenz
Bei der Diskussion über das Restaurantsterben ist eine wichtige statistische Unterscheidung erforderlich.
Eine Insolvenz liegt vor, wenn ein Unternehmen seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen kann und ein entsprechendes Insolvenzverfahren beantragt beziehungsweise eröffnet wird.
Eine Betriebsschließung kann dagegen aus zahlreichen anderen Gründen erfolgen. Ein Restaurant kann beispielsweise geschlossen werden, weil der Betreiber in den Ruhestand geht, keinen Nachfolger findet, den Mietvertrag nicht verlängern kann oder sich die wirtschaftliche Situation trotz ausreichender Zahlungsfähigkeit nicht mehr lohnt.
Das Statistische Bundesamt weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass die Insolvenzstatistik nur Geschäftsaufgaben erfasst, die im Zusammenhang mit einem Insolvenzverfahren stehen. Normale Betriebsschließungen werden dadurch nicht vollständig abgebildet.
Destatis: Gewerbemeldungen und Insolvenzen
Wie viele Gastronomiebetriebe schließen?
Der DEHOGA-Zahlenspiegel I/2026 weist für den Zeitraum Anfang 2026 10.054 vollständige Betriebsaufgaben im Gastgewerbe aus. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutete dies allerdings einen Rückgang um 3,8 Prozent.
Diese Zahl zeigt, warum die Begriffe „Restaurantsterben“ und „Insolvenzwelle“ nicht automatisch gleichgesetzt werden dürfen.
Während die Zahl der vollständigen Betriebsaufgaben zurückging, stieg die Zahl der beantragten Insolvenzverfahren im Gastgewerbe gleichzeitig deutlich an.
Das kann darauf hindeuten, dass vor allem wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen länger im Markt bleiben und erst später den Schritt in ein Insolvenzverfahren gehen. Eine solche Interpretation lässt sich aus den Zahlen allein allerdings nicht beweisen.
2026: Warum geraten Restaurants unter Druck?
Die wirtschaftliche Situation der Gastronomie wird von mehreren Faktoren bestimmt. Ein wesentlicher Punkt sind die hohen Kosten.
Personal ist für Restaurants besonders wichtig, gleichzeitig stellen Löhne und Lohnnebenkosten einen erheblichen Teil der laufenden Ausgaben dar. Hinzu kommen Lebensmittel, Getränke, Energie, Mieten, Versicherungen und weitere Betriebskosten.
Steigende Verkaufspreise können diese Mehrkosten nur teilweise ausgleichen. Denn viele Gäste reagieren auf höhere Restaurantpreise mit weniger Besuchen, günstigeren Gerichten oder einem stärkeren Wechsel zu Imbissen, Lieferdiensten und selbst zubereiteten Mahlzeiten.
Reale Umsätze der Gastronomie bleiben schwach
Auch die Umsatzentwicklung erklärt einen Teil des Drucks.
Im ersten Quartal 2026 lag der reale Umsatz des deutschen Gastgewerbes laut DEHOGA 5,1 Prozent unter dem Vorjahresquartal. Nominal wurde dagegen ein Plus von 2,1 Prozent verzeichnet.
Der Unterschied ist entscheidend: Nominal bedeutet, dass mehr Euro umgesetzt wurden. Real wird berücksichtigt, dass die Preise gestiegen sind.
Auch die jüngsten Destatis-Daten zeigen dieses Muster. Im Juli 2026 stieg der Gastronomieumsatz gegenüber Juli 2025 nominal um 3,1 Prozent. Preisbereinigt sank er dagegen um 4,7 Prozent.
DEHOGA: Aktuelle Branchenzahlen und Zahlenspiegel
Destatis: Gastgewerbeumsatz Juli 2026
Entwicklung der Gastro-Insolvenzen im Überblick
Die wichtigsten verfügbaren Kennzahlen für 2025 und 2026 zeigen folgendes Bild:
| Zeitraum | Kennzahl | Entwicklung |
|---|---|---|
| 2025 | Unternehmensinsolvenzen insgesamt | 24.064 |
| 2025 | Unternehmensinsolvenzen Deutschland | +10,3 % |
| 2025 | Insolvenzhäufigkeit Gastgewerbe | 108 je 10.000 Unternehmen |
| Jan.–Feb. 2026 | Insolvenzen Gastgewerbe | 466 |
| Jan.–Feb. 2026 | Veränderung zum Vorjahr | +17,0 % |
| 1. Quartal 2026 | Insolvenzhäufigkeit Gastgewerbe | 30,3 je 10.000 Unternehmen |
| 1. Quartal 2026 | Insolvenzhäufigkeit Gesamtwirtschaft | 17,7 je 10.000 Unternehmen |
| Anfang 2026 | vollständige Betriebsaufgaben Gastgewerbe | 10.054 |
| Anfang 2026 | Veränderung vollständige Betriebsaufgaben | −3,8 % |
Gibt es 2026 ein Restaurantsterben?
Die Zahlen sprechen für eine anhaltende Belastung der Gastronomie, aber der Begriff Restaurantsterben sollte statistisch differenziert verwendet werden.
Einerseits ist die Insolvenzhäufigkeit im Gastgewerbe überdurchschnittlich hoch. Andererseits bedeutet eine Insolvenz nicht automatisch, dass es sich um ein klassisches Restaurant handelt. Die amtliche Kategorie „Gastgewerbe“ umfasst neben Restaurants beispielsweise auch Cafés, Bars, Diskotheken, Cateringbetriebe und andere gastronomische beziehungsweise beherbergungsbezogene Aktivitäten.
Hinzu kommt, dass viele Betriebsschließungen außerhalb von Insolvenzverfahren stattfinden.
Gastronomie-Insolvenzen im Vergleich zur Gesamtwirtschaft
Besonders deutlich wird die schwierige Lage beim Vergleich mit anderen Branchen.
Im ersten Quartal 2026 lag die Insolvenzhäufigkeit im Gastgewerbe mit 30,3 Fällen je 10.000 Unternehmen bei rund 71 Prozent über dem gesamtwirtschaftlichen Wert von 17,7.
Auch 2025 war die Differenz erheblich: 108 Insolvenzen je 10.000 Gastgewerbeunternehmen standen 69 Fällen je 10.000 Unternehmen in der Gesamtwirtschaft gegenüber.
Die Gastronomie zählt damit weiterhin zu den Branchen, in denen Unternehmen besonders häufig in ein Insolvenzverfahren geraten.
Was bedeutet die Entwicklung für Restaurants?
Für einzelne Restaurants ist nicht allein die Anzahl der Insolvenzen entscheidend. Wichtiger sind Faktoren wie Umsatz pro Sitzplatz, Personalkostenquote, Wareneinsatz, Miete, Energieverbrauch und Auslastung.
Ein Betrieb mit hoher Auslastung kann trotz steigender Kosten profitabel bleiben. Ein Restaurant mit niedriger Auslastung und hohen Fixkosten kann dagegen bereits bei relativ kleinen Umsatzrückgängen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.
Die Kombination aus real sinkenden Umsätzen und steigenden Kosten ist deshalb für die Branche besonders problematisch.
Fazit: Gastro-Insolvenzen bleiben 2026 ein Warnsignal
Das Restaurantsterben in Deutschland lässt sich 2026 nicht mit einer einzigen Kennzahl beschreiben. Die Insolvenzstatistik liefert jedoch deutliche Warnsignale.
2025 erreichte das Gastgewerbe eine Insolvenzhäufigkeit von 108 Fällen je 10.000 Unternehmen und lag damit deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Anfang 2026 setzte sich der Druck fort: Im Januar und Februar wurden 466 beantragte Insolvenzverfahren im Gastgewerbe registriert, 17 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Im ersten Quartal 2026 lag die Insolvenzhäufigkeit des Gastgewerbes bei 30,3 Fällen je 10.000 Unternehmen. Damit gehörte die Branche erneut zu den am stärksten von Unternehmensinsolvenzen betroffenen Wirtschaftsbereichen.
Gleichzeitig zeigen die Daten, dass nicht von jeder Schließung auf eine Insolvenz geschlossen werden kann. Betriebsschließungen können auch aus Altersgründen, wegen fehlender Nachfolge, steigender Kosten oder einer fehlenden wirtschaftlichen Perspektive erfolgen.
Für 2026 ergibt sich damit ein klares Bild: Die deutsche Gastronomie bleibt ein großer Markt, steht aber weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Besonders die hohe Insolvenzhäufigkeit und die schwache reale Umsatzentwicklung sind wichtige Indikatoren für die angespannte Lage der Branche.
